[Workshop Freitag] Grammatik revisited: „Mach mir ein Bild davon und ich lerne das spielend“

Eva Lepold

 

Zielgruppe: Lehrende ab der Sekundarstufe und in der Erwachsenenbildung

 

Im Rahmen des Workshops wird der Frage nachgegangen, wie Grammatikvermittlung im Sinne ästhetischen Lernens ab der Sekundarstufe und in der Erwachsenenbildung als ganzheitlicher und kreativer Prozess gestaltet werden kann und welche Darstellungs- und Aufgabenformate sich dazu eignen. Dazu werden Anwendungsformen der Spielpädagogik sowie des Graphic Recording und des Farbcodierung in der Grammatikvermittlung praxisbezogen vorgestellt.

Im Zentrum der Erlebnispädagogik steht das Prinzip des Selbst-Erlebens und Selbst-Entdeckens – oft mittels spielerischer Aufgabenstellungen, die meist in kooperativen Gruppensettings stattfinden. Dem folgt ein Prozess der Reflexion und des Transfers – eine Qualitätssicherung des Neu-Entdeckten im Diskurs (Heckmair/Michl 2004, Sonntag 2005).

Die Relevanz der emotionalen Involvierung der Lernenden ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen (ÖDaF-Mitteilungen 2/2017). Dafür eigenen sich Spiele besonders. In Homo Ludens geht Huinziga davon aus, dass „menschliche Kultur im Spiel – als Spiel – aufkommt und sich entwickelt.“ Spiele sind etwas grundlegend Menschliches, auch für Erwachsene spannend und in allen Kulturen verbreitet. Im Spiel lässt sich Sprache ohne Risiko erproben und Mehrsprachigkeit einbeziehen. Die kognitive (Finden von Lösungswegen), soziale (gemeinsames Erkunden) und emotionalen Ebene (Freude, etwas herauszufinden) 2 werden kombiniert (Baric/Serena 2017). Multimodales Lernen verspricht ein vielschichtiges Erleben und damit einen größeren Merkeffekt als rein kognitiv ausgerichtetes Lernen.

Ein zweiter in der Praxis beobachteter Erfolgsfaktor in der Grammatikvermittlung liegt in der Visualisierung. Diese ist in der Persönlichkeits- und Organisationsentwicklung nicht mehr wegzudenken. Auch in der sprachbezogenen Kognitionsforschung wurde das Primat des Bildhaften und dessen Auswirkung auf unser sprachliches Denken festgestellt (vlg. Lakoff/Johnson 1980, Lakoff 1987/1999, Schwarz 1992). Die visuelle Aufbereitung sowie der Einsatz von kohärenten Farb- und Symbolkodierungen (z.B. Kasus oder Genusmarkierung) unterstützt die nachhaltige Speicherung grammatischer Strukturen.

 

Literatur:

  • Brand, Willemien (2018): Visual Thinking. Empowering people and organizations through visual collaboration. BIS Publishers, Amsterdam.
  • Barić, Karmelka; Serena, Silvia (2017): Spiele und Arbeitsformen mit Kopf, Herz und Hand für einen handlungsorientierten studienbegleitenden Deutsch- und Fremdsprachenunterricht. In ÖDaF-Mitteilungen 2017 Band 2: Man lernt nicht mit dem Kopf allein. Zur Rolle von Emotionen im DaF/DaZ-Unterricht. Göttingen: Unipress, 108-118.
  • Heckmair, Bernd; Michl, Werner (2004): Erleben und Lernen. Einführung in die Erlebnispädagogik. 5. Auflage. Ernst Reinhardt Verlag: München, Basel
  • Kröger, Bernd J. (2018): Neuronale Modellierung der Sprachverarbeitung und des Sprachlernens. Eine Einführung. Springer Verlag, Berlin.
  • Lakoff, George; Johnson, Mark (1980): Metaphors we live by. The University of Chicago Press, Chicago.
  • Lakoff, George (1987): Women, fire and dangerous things. What Categories Reveal about the Mind. The University of Chicago Press, Chicago.
  • Lakoff, George; Johnson, Mark (1999): Philosophy in the Flesh. The Embodied Mind and its Challenge to Western Thought. Basic Books (Perseus), New York.
  • Sonntag, Christopher (2005): Abenteuer Spiel. Hergensweiler: Ziel Verlag
  • Schwarz, Monika (1992): Einführung in die Kognitive Linguistik. UTP Francke, Tübingen.

 

 

 

Angaben zur Person

Eva Lepold hat Deutsch als Fremd-/Zweitsprache mit verschiedenen Zielgruppen im In- und Ausland gelehrt. Davor war sie in der Spiel- und Erlebnispädagogik tätig. Zudem setzt sie sich seit Jahren künstlerisch mit Bildsprache auseinander. Derzeit liegt ihr Fokus auf der Visualisierung von Grammatik. 

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