[Workshop Freitag] Mit Liedern leichter Grammatik lernen

Achim Braun

 

Grammatikvermittlung soll nach Möglichkeit beiden Seiten Spaß machen. Deshalb empfehle ich die induktive Methode, die Grammatik anhand authentischer Texte und somit ungekünstelt präsentiert. Da sie zum Spracherwerb, zur Rezeption und Produktion von Sprache notwendig und nützlich ist, muss sie lerner-, stufen- und lernzielbezogen als selbstverständlicher Bestandteil der Sprache in struktureller Genauigkeit und in einem kommunikativen Ansatz vermittelt und von den Lernenden erarbeitet, geübt und wiederholt werden. Schließlich spricht auch Monsieur Jourdain in Molières Le Bourgeois gentilhomme Prosa, ohne es zu wissen.

Grammatik ist Bestandteil kulturbezogener und -relevanter Situationen und Handlungen. Ihre Vermittlung ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck: den Spracherwerbsprozess zu fördern mit dem Ziel, Sprache in ihren Nuancierungen zu verstehen und mündlich wie schriftlich adäquat anzuwenden.

Bei der induktiv-pragmatischen Vermittlung gehe ich vom grammatischen Phänomen aus, das in diesem Fall in ein Lied eingebettet ist. Es kann aus seinem Umfeld erschlossen werden. Über die Beschäftigung mit dem Lied finden die Lernenden selbst die grammatische Regelhaftigkeit heraus, die vom Lehrenden zusammengefasst und ggf. ergänzt wird.
In Anlehnung an das Konzept von Marcus Bär  möchte ich diese Methode mit einem Interkomprehensions-Ansatz im Sinne der individuellen Mehrsprachigkeit verbinden.

Das kontrastive Lernen durch Interferenz und Transfer soll die Lernkompetenz fördern und – als Gegenmodell zur lingua franca - ein „Europa der Polyglotten“ schaffen.

 

 

Angaben zur Person:

Achim Braun, Jahrgang 1958, hat Französisch und Geschichte auf Lehramt in Aachen studiert. Nach dem Studium war er DAAD-Lektor für deutsche Sprache, Literatur und Landeskunde an der Universität Rennes 2, Frankreich, danach Verlagsredakteur beim Ernst Klett Schulbuchverlag, Stuttgart. Seit 1994 arbeitet er als Übersetzer bei der Europäischen Kommission in Brüssel. Von 2013-2018 war er als Sprachbeauftragter in die Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich entsandt. 
In freier Mitarbeit hat er Kommentare, Synchronisationen und Übersetzungen für verschiedene Produktionshäuser erstellt und Seminare geleitet.

Bär, Marcus (2009), Förderung von Mehrsprachigkeit und Lernkompetenz. Fallstudien zu Interkomprehensionsunterricht mit Schülern der Klassen 8 bis 10. Tübingen: Narr (= Gießener Beiträge zur Fremdsprachendidaktik). ISBN 3823365312. 576 Seiten. Rezensiert von Rita Zellerhoff. Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht 16: 2, 2011, 222-226. Abrufbar unter http://zif.spz.tu-darmstadt.de/jg-16-2/beitrag/Baer.pdf.

Eco, Umberto (1993), Die Suche nach der vollkommenen Sprache. Aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber. München: C.H. Beck, S. 355.

 

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- Strobler Thesen 

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