[Kurzvortrag - Teil I] Funktional, kontrastiv und reflexiv – lesebasierte Zugänge zu Kasusinformation und Interpunktion im Deutschen

Gesine Esslinger

 

Zielgruppe: Lehrende der Primarstufe und Sekundarstufe I – und alle, die Interesse haben

 

Da das Deutsche eine recht freie Wortstellung aufweist, entscheiden (anders als im Englischen) nicht die Positionen von Wortgruppen im Satz darüber, welche Handlungsrollen (Agens/Subjekt vs. Patiens/Objekt)  ihnen zukommen, sondern die Flexionsmorpheme (Wortendungen). 

Dies illustriert das folgende Satzpaar:

Degraue    Elefant      bespritzt den netten Tierpfleger. 

Den grauen Elefanten bespritzt der  nette Tierpfleger.

In der Alltagskommunikation werden die Flexionsendungen von vielen Sprechern jedoch „verschluckt“, so dass sie insbesondere für DaZ-Lernende kaum wahrnehmbar sind. Im Vortrag werden deshalb lesebasierte, kontrastive Aufgabenformate vorgestellt, die es DaZ- (und DaE-Lernenden) ermöglichen, den für die Sinnkonstruktion wichtigen Zusammenhang von Satzstruktur und Satzbedeutung  zu entdecken und zu verstehen. Zentrale Elemente sind dabei das Experimentieren mit Sätzen sowie die Reflexion des eigenen Leseprozesses in diskursiven Lernsettings (auch vor dem Hintergrund der jeweiligen Erstsprachen) – grammatische Begriffe sind hierfür nicht notwendig. Darüber hinaus werden lesebasierte Aufgabenformate vorgestellt, mit denen Lernende die grammatische Funktion des Punktes entdecken lernen: Ohne Punkt laufen wir z. B. bei Sätzen wie den folgenden syntaktisch in die „Irre“ (Garden-path-Effekt)

*Der Bauer hört den gellenden Schrei der Bäuerin ist das schwere Pferd auf den Fuß getreten. 

Der Bauer hört den gellenden Schrei. Der Bäuerin ist das schwere Pferd auf den Fuß getreten.

 

Übergeordnetes Ziel der gezeigten Aufgabenformate sind 

- der Erwerb von Sprach(differenz)bewusstsein, 

- Einsicht in den Form-Funktionszusammenhang sprachlicher Strukturen sowie 

- der Erwerb typisch deutscher Satzmuster (hier: nichtsubjekthaltige Vorfeldbesetzung). 

 

Wie anhand audiotranskribierter Gesprächsprotokolle gezeigt werden kann, eignen sich die präsentierten Aufgabenformate auch als (informelle) Instrumente einer differenzierten Lesediagnostik. 

 

Literatur:

- Esslinger, Gesine (2015): Satzstruktur und Satzbedeutung. Warum die herkömmliche Frageprobe kein verlässliches Verfahren ist, um Satzglieder zu ermitteln. In: Grundschulunterricht Deutsch 62, 23-28.

- Esslinger, Gesine (2018): Sprachreflexive Zugänge zur Interpunktion des Deutschen durch Interpunktionsgespräche - Hintergründe und Möglichkeiten einer leserorientierten Interpunktionsdidaktik. In: Studia Neophilologica., 125-150.

 

Angaben zur Person

Gesine Esslinger, seit 2013 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Grundschulpädagogik der Universität Koblenz-Landau/Campus Koblenz (Deutschland) im Bereich Sprachdidaktik; zuvor u. a. Lehraufträge an der Universität zu Köln; 2005-2008 akademische Mitarbeiterin an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe; 1999-2005 Grund- und Hauptschullehrerin in Baden-Württemberg. Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte: Leseerwerb unter graphematischer Perspektive; Orthographie- und Grammatikdidaktik; Interpunktionsdidaktik

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