[Workshop Samstag] “Über Flucht reden" Ansätze für einen traumasensiblen Sprachunterricht mit Schülerinnen und Schüler mit einer Fluchterfahrung anhand von Kinder- und Jugendliteratur

Mohamed Abdel Keream

 

Schülerinnen und Schüler mit einer Fluchterfahrung sind in allen Schultypen und Schulstufen des österreichischen Bildungssystem vertreten. Nicht selten fällt in der Diskussion rund um Herausforderungen in der pädagogischen Arbeit mit den Betroffenen das Stichwort “Trauma”. Damit ist aber auch ein grundlegendes Dilemma verbunden: Wird nämlich die Traumatisierung bei der Beschreibung der Zielgruppe zu einer inhärenten Kategorie eben dieser, führt dies zu einer Stigmatisierung. Wird hingegen eine (mögliche) Traumatisierung nicht in der Konzeption berücksichtigt, kann dies zu Fehlentscheidungen und Missdeutungen von Verhalten führen. Im Workshop soll deshalb Raum geschaffen werden, verschiedene Traumakonzepte kennenzulernen und auch die Reziprozität von Traumaerfahrung und (Sprach-)Lernverhalten zu erkennen. Ebenso sollen Grundlagen der Traumapädagogik und mögliche Ansätze für den Unterricht besprochen werden. 

Einer dieser Ansätze ist die Behandlung von Traumaerfahrungen durch Distanzierungstechniken, indem zum Beispiel “entfremdete” Fluchtbiographien besprochen werden. In der Reflexion über diesen möglichen Ansatz werden auch die Ergebnisse der Aktionsforschung und der narrativen Interviews mit Schülerinnen und Schüler mit einer Fluchterfahrung vorgestellt, die im Sprachunterricht Fluchtbiographien von Holocaustüberlebenden gelesen haben. 

Anhand ausgewählter Beispiele aus der Kinder- und Jugendliteratur wie Uri Orlevs “Lauf, Junge, Lauf!” und Eva Erbens “Mich hat man vergessen” wird gezeigt, wie Flucht in einem traumasensiblen Rahmen angesprochen werden kann, ohne Schülerinnen und Schüler mit einer Fluchterfahrung zu stigmatisieren oder sie in einen Erzählzwang zu drängen. 

Im Rahmen des Workshops werden auch andere Werke vorgestellt, Didaktisierungsmodelle erarbeitet, Arbeitsblätter konzipiert und Stundenbilder besprochen. Ebenso wird der Einsatz von Verfilmungen für den Sprachunterricht diskutiert.   

 

Angaben zur Person:

Mohamed ABDEL KEREAM, Studium der Zoologie und Histologie an der Universität Wien, ist Chemie- und Biologielehrer an einem Wiener Privatgymnasium. Er studiert Germanistik mit Schwerpunkt Mehrsprachigkeit in der Migrationspädagogik und arbeitet als Sprachmittler und Bildungsberater verstärkt mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten.

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