Stellungnahme an das Außenministerium zu den beabsichtigten Budgetkürzungen des ÖI (20.2.2014)

Der ÖDaF wurde darüber informiert, dass das Budget des Österreich Instituts für das heurige Jahr um 12,5% gekürzt werden soll. Diese massiven Einsparungen hätten die Schließung des Standortes Ljubljana nach fünfjähriger Aufbauzeit zur Folge. Wir haben daher eine Stellungnahme an den Eigentümervertreter BM Sebastian Kurz geschrieben:

 

 

PERSÖNLICH

Herrn

Außenminister Sebastian Kurz

Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten

Minoritenplatz 8

A-1014 Wien

 

Wien, 20. Februar 2014

 

Sehr geehrter Herr Minister,

 

der österreichische Verband für Deutsch als Fremdsprache/Zweitsprache (ÖDaF) wendet sich an Sie in Ihrer Funktion als Eigentümervertreter der Österreich Institut GmbH. Der ÖDaF vertritt die Interessen von Personen, die im Bereich Deutsch als Fremdsprache/Deutsch als Zweitsprache tätig sind. Seit der Verbandsgründung im Jahr 1984 setzen wir uns mit aktuellen Fragen der Sprachen- und Integrationspolitik in Österreich auseinander und melden uns als politisch unabhängige ExpertInnen kritisch und wissenschaftlich fundiert zu Wort. Immer wieder gab es bereits Anknüpfungspunkte zwischen dem ÖDaF und dem BMeiA, so auch im Jahr 2013, als wir mit finanzieller Unterstützung des Österreichischen Kulturforums Mailand österreichische Kulturbeiträge für die Internationale DeutschlehrerInnentagung in Bozen (29.7. - 2.8.2013) organisierten. Heute erlauben wir uns, uns in Bezug auf eine sprachpolitische Entscheidung an Sie als Außenminister der Republik Österreich zu wenden.

 

Mit Besorgnis haben wir zur Kenntnis genommen, dass das Österreich Institut Ljubljana in diesem Jahr geschlossen werden soll. Diesen Umstand finden wir bedauerlich, da die Österreich Institute im Allgemeinen und speziell auch jenes in Ljubljana mit ihren Deutschkursen eine vom sprachwissenschaftlichen Standpunkt aus hervorragende Arbeit leisten. Aus unserer Sicht soll Deutschunterricht auch die landesspezifische Identität und Kultur widerspiegeln. Daher kann es uns nicht egal sein, dieses Aufgabengebiet anderen, zwar ebenfalls qualifizierten, aber nicht um die Stärkung der Beziehung zwischen dem Gastland und Österreich interessierten Anbietern zu überlassen. Das Erlernen einer Sprache eröffnet die Möglichkeit, auf vielfältige Art und Weise in einen Dialog zu treten, ein Gewinn, der sich auch in kulturellen, touristischen und wirtschaftlichen Belangen positiv niederschlägt.

 

Mit Slowenien hat Österreich einen kleinen aber wichtigen Partner an der Schwelle zum Balkan vor der Tür. Wirtschaftliche und politische Beziehungen intensivieren sich nachweislich durch gegenseitiges "Verstehen", das durch eine gemeinsame Sprache erleichtert wird.

 

Deutschlernen erlebt derzeit einen Aufschwung, sich diesem Trend in der Reduktion des eigenen Angebots mutwillig zu widersetzten, wäre eine auf lange Zeit vergebene Möglichkeit, davon zu profitieren. Siehe: In der Krise lernt alle Welt Deutsch (Die Welt, 29.4.2013): "[...] Von 2010 bis 2012 wuchs die Teilnehmerzahl an den Deutsch-Kursen des Goethe-Instituts in Barcelona um fast 50 Prozent, in Madrid um fast 60 Prozent, in Lissabon um 33 Prozent, in Porto, ebenfalls Portugal, um 66 Prozent und selbst in Chicago, USA, um 17 Prozent."

 

Wir verstehen, dass budgetäre Gründe und politische Zielsetzungen die Grundlage für Entscheidungen bilden, sind jedoch davon überzeugt, dass sich Investitionen dieser Art längerfristig auch ökonomisch gewinnbringend zu Buche schlagen. Deutschland hat dies erkannt und seine sprachenpolitischen Aktivitäten in den letzten Jahren dementsprechend systematisch weltweit ausgebaut. Warum Österreich den entgegengesetzten Weg geht, ist für uns nicht nachvollziehbar.

 

Daher ersuchen wir Sie, Ihr Vorhaben der Schließung respektive der budgetären Kürzung des Österreich Instituts zu überdenken und ein positives (sprachen)politisches Zeichen an den Anfang Ihrer ministeriellen Karriere zu stellen.


 

Mit freundlichen Grüßen

 

der ÖDaF-Vorstand:

Mag.a Nicola Kraml - Präsidentin

Dr. Hannes Schweiger - Vizepräsident

Mag. Denis Weger - Kassier

Mag.a Nicole Kroiß - Stv. Kassierin

Mag.a Andrea Stangl - Schriftführerin

Dr.in Doris Reininger-Stressler - Stv. Schriftführerin

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"Ziel jedes sprachenpolitischen Engagements ist die Förderung der Mehrsprachigkeit. Dies schließt die Durchsetzung einer Sprache auf Kosten anderer Sprachen aus."

- Strobler Thesen 

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