[Workshop Freitag] Und eine Prise Ästhetik! Plädoyer für ästhetisches Lehren und Lernen mit performativem Fremdsprachenunterricht

Dragan Miladinović

 

Trotz der Erkenntnis, dass viele Lernprozesse erst im Laufe des Lebens ersichtlich werden (vgl. Küster 2015, 17), läuft Fremdsprachenunterricht häufig so ab, dass im Sinne von Fast-Food-Ketten „schnell-kurz-viel“ (Schewe 2011, 21) gelernt und gelehrt wird. Diesen Trend bestärkte zusätzlich der Europäische Referenzrahmen für Sprachen, der zwar für gewisse Unterrichtsstandards sorgte, gleichzeitig aber auch zu einer starken Orientierung an dessen Kann-Deskriptoren und Kompetenzen führte. Gegen diese Tendenz der „Durchökonomisierung und Standardisierung von Schule, Hochschule und anderen Lebensbereichen“ (Schewe 2011, 20) setzt sich die performative Fremdsprachendidaktik ein (vgl. Schewe 2018). Sie entwickelte sich aus der Dramapädagogik (vgl. u.a. Schewe 2018) und steht für einen künstlerisch-ästhetischen, kreativen und reflexiven Sprachunterricht, der die Lernenden und Lehrenden von Kopf über Herz, Hand und bis Fuß anspricht und zu einem ganzheitlichen Lehren und Lernen anregt (vgl. Schewe 1993, 8). Lernende sollen befähigt werden, nicht nur die ‚klassischen‘ Fertigkeiten des Unterrichts zu beherrschen, sondern darüber hinaus u.a. visuelle und körpersprachliche Fertigkeiten zu entwickeln, die sowohl bei der Kodierung von und Performance in lebensweltlichen Situationen Anwendung finden. Die Teilnehmer*innen des Workshops erkunden im Vortrag die besonderen Inhalte performativen Lehrens und Lernens (z.B. Als-Ob-Situationen, szenische Darstellungen, Reflexionsprozesse) und diskutieren anschließend über die vorgestellten Prinzipen eines performativen Sprachunterrichts.

Im anschließenden Workshop wird auf einige der im Vortrag angesprochenen Arbeitsweisen zurückgegriffen und anhand von Beispielen mit performativen Kleinformen gearbeitet, sodass die Teilnehmenden über den Vortrag als auch über die Arbeitsweise im Workshop reflektieren und diskutieren können.

Literatur

Küster, Lutz (2015): Warum ästhetisch-literarisches Lernen im Fremdsprachenunterricht? Ausgewählte theoretische Fundierungen. In Lutz Küster, Christiane Lütge, Katharina Wieland, Hg.: Literarisch-ästhetisches Lernen im Fremdsprachenunterricht. Theorie – Empirie – Unterrichtsperspektiven. Frankfurt a. M.: Peter Lang, 15-32.

Schewe, Manfred (1993): Fremdsprache inszenieren. Zur Fundierung einer dramapädagogischen Lehr- und Lernpraxis. Oldenburg: Pädagogisches Zentrum.

Ders. (2011): Die Welt auch im fremdsprachlichen Unterricht immer wieder neu verzaubern - Plädoyer für eine performative Lehr- und Lernkultur. In: Almut Küppers, Torben Schmidt, Maik Walter, Hg.: Inszenierungen im Fremdsprachenunterricht. Grundlagen, Formen, Perspektiven. Braunschweig: Schroedel/Diesterweg/Klinkhardt, 20-31.

Ders. (2018): Performative Foreign Language Didactics in progress: about still images and the teacher as 'Formmeister' (Form Master). In: Olivier Mentz, Micha Fleiner, Hg.: The Arts in Language Teaching. International Perspectives: Performative - Aesthetic - Transversal. Berlin u.a.: Lit-Verlag, 21-41.

 

Angaben zur Person:

Dragan Miladinović ist College Language Teacher am University College Cork, Irland und Rezensionsredakteur für die deutsch-englische Fachzeitschrift Scenario (https://www.ucc.ie/en/scenario/). Sein Forschungsinteresse liegt in der kritischen Migrationsforschung und Fremdsprachendidaktik. Für sein laufendes Promotionsvorhaben forscht er zu performativem Fremdsprachenunterricht.

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