Presseaussendung zur neuen Staatsbürgerschaftsprüfung (1.8.2013)

 

Auf Ersuchen des ÖDaF verfasste Prof. Thomas Studer (Universität Freiburg/CH) eine detaillierte Stellungnahme zum neuen Staatsbürgerschaftstest. Der ORF berichtete darüber in der ZIB 1 am 31.7.2013.

 

Hier die darauffolgende Presseaussendung der Grünen:
 

Walser zum Staatsbürgerschaftstest: Experten-Gutachten bestätigt unsere Kritikpunkte!

Grüne fordern Aus für schikanösen Staatsbürgerschaftstest



"Zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher hätten inhaltlich mit dem neuen Staatsbürgerschaftstest große Probleme. Dass er zudem auf einem viel zu hohen sprachlichen Niveau konzipiert wurde, erweckt den Eindruck, es handle sich um eine reine Schikane", zeigt sich der Grüne Nationalratsabgeordnete Harald Walser empört und legt das Gutachten eines Schweizer Experten vor: "Am 1. August tritt das neue Staatsbürgerschaftsgesetz in Kraft. Das staatsbürgerschaftliche Wissen soll mit diesem schikanösen Test ab Ende 2013 abgefragt werden. Es droht eine gewaltige Durchfallquote."

Thomas Studer ist Professor für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache am Institut für Mehrsprachigkeit an der Universität Friboug in der Schweiz und gilt als ausgesprochener Experte im deutschsprachigen Raum. Deshalb hat ihn der "Österreichischen Verband für Deutsch als Fremd-/Zweitsprache" um eine Einschätzung gebeten. Das Ergebnis liegt den Grünen vor.

Während der Gesetzgeber für StaatsbürgerschaftswerberInnen Deutschkenntnisse auf dem Niveau von B1 (entspricht Maturaniveau in der 2. Fremdsprache) vorschreibt, gehen die neue Lernunterlage des Bundes und die Testfragen mit den Antwortmöglichkeiten deutlich über das geforderte Niveau hinaus. Damit sieht Studer die Gefahr, dass das Sprachniveau "unter der Hand nach oben" verschoben wird. Die Art der Darstellung der österreichischen Geschichte und Politik bezeichnet Studer als "anachronistisch", sie widerspräche modernen Ansätzen der Erarbeitung von historischem und politischem Wissen. Zudem berücksichtigen das Testformat (Multiple Choice) sowie die Prüfungsauswertung nicht die "hinlänglich bekannten" Ergebnisse der Testforschung.

Harald Walser hat seit mehr als drei Jahren auf peinliche Fehler in den bisherigen Staatsbürgerschaftstest und andere Unzulänglichkeiten aufmerksam gemacht: "Staatssekretär Sebastian Kurz hat daraus nichts gelernt oder wollte nichts lernen. Seine Botschaft an die Neo-Österreicher: Wir wollen Euch nicht! Die Prüfung ist jedenfalls schikanös, die Vergabe der Staatsbürgerschaft wird zum Gnadenakt."

Der Grüne Abgeordnete kritisiert das Konzept des Tests grundsätzlich: "Einsichten in Geschichte, Kultur und Politik eines Landes können nicht mit auswendig gelerntem faktenbasierten Wissen vermittelt werden. Das hat man in der Pädagogik bereits vor 40 Jahren erkannt, dem Staatssekretär fehlen diese Einsichten jedoch."

Walser fordert einen von ExpertInnen begleiteten Reflexionsprozess über eine völlige Neugestaltung der Einbürgerungsvoraussetzungen und die sofortige Aussetzung der Staatsbürgerschaftsprüfung: "Der jetzige Test ist ein Rückfall in die pädagogische Steinzeit!"

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